Frauenexperten-Runde – Berliner Zeitung 2015

Frauen am Arbeitsmarkt – gut qualifiziert, oft aber schlecht bezahlt.

Die Berliner Experten-Runde vom 30. Juni 2015 mit den Entscheiderinnen der Stadt.

Lesen Sie mehr in der Beilage der Berliner Zeitung vom 14. Juli 2015.

 

Junge Frauen sind zunehmend berufsorientiert. 71 % der unter 30 jährigen Frauen ist beruflicher Erfolg wichtig. Junge Frauen sind besser ausgebildet als junge Männer. Junge Frauen erwerben außerdem öfter einen höheren Abschluss als junge Männer. 45% der jungen Frauen verfügen über die Hochschulreife und 17 % über einen akademischen Abschluss. (bei Männern sind es 40% Hochschulreife und 13 % einen akademischen Abschluss). Der Bildungsvorteil gilt jedoch nicht für junge Frauen mit Migrationshintergrund.

Mit 74 % liegt die Beschäftigungsquote junger Frauen in Deutschland über dem EU Durchschnitt von 69 %. Allerdings kommt die hohe Beschäftigungsquote in Deutschland hauptsächlich durch den Anteil von Teilzeit und geringfügiger Beschäftigung zustande.

Junge Frauen sind zunehmend nur befristet beschäftig. Das unbefristete Vollzeitarbeitsverhältnis ist seltener geworden.

Frauen verdienen laut Statistischen Bundesamt im Durchschnitt 23 Prozent weniger Geld als Männer. Dieser geschlechtsspezifische Gehaltsunterschied ist in Deutschland besonders hoch.

Die Berufswahl bleibt stark geschlechterspezifisch. Mädchen, die eine Ausbildung absolvieren, werden am häufigsten Kauffrau im Einzelhandel, Jungen werden meistens KFZ-Mechatroniker. Studienanfängerinnen entscheiden sich am häufigsten für Psychologie und Erziehungswissenschaften, Studienanfänger hingegen für Maschinenbau und Informatik.

Gut wäre eine Doppelstrategie, neben einer Berufsorientierung, die mehr Mädchen und Jungen die eigenen Potenziale entdecken lässt, braucht es eine konsequente Aufwertung frauendominierter Berufe. Das bezieht sich auf Entgelte genauso wie auf die Qualität der Ausbildung.

Die Entwicklung der Absolventinnen bei den sogenannten MINT Studiengängen stagniert jedoch seit Jahren. (eigene Erfahrung an der Hochschule Berlin)

Trotz höherer Arbeitsmarktbeteiligung gelangen viele Frauen (insbesondere mit Kindern) aufgrund struktureller Barrieren (fehlende Kinderbetreuung, Dominanz der Minijobs, traditionelle Rollenbilder in der Gesellschaft) oftmals unfreiwillig nicht über die Rolle als Hinzu- bzw. Geringverdienerin hinaus und bleiben damit finanziell abhängig vom Partner oder dem Harz IV System.

Der angestrebt Ausbau der Kinderbetreuung ist ein Weg, wie es junge Frauen ermöglichet werden kann, vollzeitnah zu arbeiten. Allerding muss gleichzeitig auch der Niedriglohnsektor reguliert werden, damit die vermittelte Arbeit Existenzsichernd ist.

Fazit:

  • Investition in Bildung (auch bei Frauen mit Migrationshintergrund)
  • Ausbau der Kinderbetreuung
  • Vereinbarkeit von Beruf und Familie (für Frau und Mann)
  • Gleiches Geld für gleiche Arbeit
  • Passende Betreuung von arbeitslosen Frauen

 

Quelle: Zahlen laut einer Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach 2010