Akademisierung in Deutschland – Segen oder Sorge?

Im November letzten Jahres hat die Konrad-Adenauer-Stiftung einen Beitrag zur aktuellen Akademisierungsdebatte publiziert. Dazu hat Christine Henry-Huthmacher (Koordination für Bildungs-, Familien und Frauenpolitik, Konrad-Adenauer-Stiftung e.V.) den Wirtschafts- und Industriesoziologen Prof. Dr. Hartmut Hirsch-Kreinsen (TU Dortmund) hinzugezogen, der sich für die Publikation „Analysen & Argumente“ (Ausgabe 136) mit dieser Thematik auseinandersetzte.
Dabei stand die Frage “Wie viel akademische Bildung brauchen wir zukünftig?“ zentral. Die Jugendarbeitslosigkeit in Europa ist in vielen Länder so hoch wie nie zuvor. Das verursacht ein erhöhtes Interesse an das deutsche duale Ausbildungssystem, das nicht zuletzt von der OECD Organisation for Economic Co-operation and Development) als vorbildlich gelobt wurde. Dabei gilt die Verbindung von Ausbildung im Betrieb und Bildung in den Berufsschulen als Garant für gut ausgebildete Fachkräfte.
Dennoch sieht die Attraktivität des dualen Ausbildungssystems bei dein Jugendlichen in der Realität eher gegenteilig aus. Immer mehr junge Menschen ziehen der dualen Ausbildung ein Studium vor. Das hat mehrere Gründe: Zum einen sind oft die Eltern Motor der zunehmenden sogenannten Akademisierung. Sie wünschen ihren Kindern einen erfolgreichen Schulabschluss, wobei das Abitur als zum alleinigen Bildungsmaßstab der Kinder wird. Bei dieser Debatte spielt auch das Geld eine Rolle: Das von Bildungsökonomen errechnete durchschnittliche Einkommen eines Akademikers liegt rund 62% höher als das von Menschen mit einer abgeschlossenen Lehre. Des Weiteren haben sich die Berufswünsche der Kinder bzw. Jugendlichen in den letzten Jahren verändert. Sie orientieren sich an den sogenannten White-collar-Berufen. White-collar bedeutet übersetzt „weißer Kragen“ und bezieht sich auf die Arbeitskleidung von Angestellten, zum Beispiel Hemd, Anzug und Krawatte tragen und eher nicht-manuelle Berufe. Der Gegensatz dazu sind Blue-collar-Berufe, also auf die Arbeitskleidung von Arbeitern, die manuelle Tätigkeiten in ihrem Beruf ausüben. Diese Orientierung an den White-collar-Berufen, die steigenden Qualifikationsansprüche am Arbeitsplatz und den Wunsch nach sicheren Einkommensgewinnen wecken in den Jugendlichen den Eindruck der Notwendigkeit einer akademischen Ausbildung. Diese Entwicklung, man möge sie „Akademisierungswahn“ nennen, sorgt auf der einen Seite für überquellende Hörsäle und auf der anderen Seite für zunehmende Engpässe bei Facharbeitern.
Das Statistische Bundesamt teilte in seiner Pressemitteilung vom 17.09.2013 mit, dass die Zahl der Hochschulabsolventen sich in den letzten Zehn Jahren verdoppelt hat. Heute beträgt sie 413.000 Absolventen und Absolventinnen. Dabei wird ein Aspekt in der Debatte um die zunehmende Akademisierung fast vollkommen übersehen: Was bedeutet eine Zunahme von Studenten für die Qualität des Studiums? Es wird argumentiert, dass durch die Akademisierung eine Qualitätssteigerung erfolgt. Aber entspricht das tatsächlich der Wirklichkeit?
Die duale Ausbildung gerät zunehmend unter Druck: gute Schüler, die früher eine Ausbildung begonnen hätten, gehen heute lieber studieren. Gleichzeitig werden die Anforderungen innerhalb der Ausbildungen erhöht, sodass Leistungsschwächere Auszubildende nicht mehr mitkommen. Dennoch benötigt Deutschland als Exportnation auch in Zukunft gut ausgebildete Fachkräfte. Liegt die Lösung dieser Grundsatzdiskussion vielleicht in der imagemäßigen und ökonomischen Aufwertung des dualen Bildungssystems oder in der Diskussion hinsichtlich der Qualität des Studiums?

Die möglichen Antworten und mehr Informationen zu dieser Debatte finden Sie in der Publikation der Konrad-Adenauer-Stiftung im PDF-Format zum Downloaden.

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