7-38-55: Die Maße unserer Botschaft

Botschaft

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Die Botschaft lautet – achten Sie auf die Maße 7-38-55!

Herr Meier betritt den Raum, in dem seine 20 Zuhörer auf ihn warten. Heute wird er seinem Publikum das neue und innovative Softwareprogramm vorstellen, dass er entwickelt hat. Seine bisher größte Leistung in seiner Karriere. Das Publikum weiß, dass Herr Meier ein begabter Softwareprogrammierer ist und eine Sensation angekündigt wurde. Nun steht Herr Meier vor dem gespannten Publikum, das ihn freundlich anlächelt. Herr Meier beginnt zu reden: „Meine sehr verehrten Damen und Herren! Hier ist es endlich, das von Ihnen lang ersehnte Softwareprogramm ABC! Es wird Ihren Arbeitsalltag nicht nur erleichtern, es wird Ihnen das Gefühl geben, dass sie sich während des Bedienens des Programms im Urlaub befinden. So angenehm wird Ihr Arbeitsalltag von nun an sein! Es erfüllt mich mit Stolz Ihnen dieses Meisterwerk heute präsentieren und die Vorteile aufzeigen zu dürfen!“

Doch was passiert jetzt? Kein tosender Applaus seitens des Publikums. Keine erwartungsvollen Gesichter, die nach mehr Informationen über das neue innovative Softwareprogramm verlangen. Im Gegenteil, die Zuhörer schauen sich etwas verunsichert an und beginnen zu tuscheln.

Was ist hier los? Die Worte in Herrn Meiers Ansprache versprechen doch einen interessanten Vortrag über das Softwareprogramm, das er als sein Meisterwerk betitelt. Weshalb also reagiert das Publikum eher orientierungslos und verunsichert? Die Wortwahl an sich ist viel versprechend und einwandfrei. Dann muss es doch an etwas anderem gelegen haben, dass Herr Meier das Publikum von seinen Worten nicht überzeugen konnte. Das, was wir nur in Worten lesen konnten hat das Publikum auch akustisch wahrgenommen und Herrn Meier gesehen, also visuell wahrgenommen.

Was hat das Publikum noch wahrgenommen? Betrachten wir die Ansprache aus der Sicht des Publikums. Stellen Sie sich nun vor, Herr Meier hält diese Ansprache und steht steif wie ein Brett vor dem Publikum. Bei den Worten „erleichtern“ und „angenehm“ zuckt er leicht zusammen. Zudem ist seine Stimme sehr leise und monoton. Er spielt nervös mit den Fingern und verschränkt die Arme abwechselnd vor und hinter dem Körper. Seine Augen sind weit aufgerissen und seine Mimik spielt eigentlich gar nicht mehr mit, sondern ist regungslos. Es hat den Anschein, als ob Herr Meier eher Angst vor seiner Software hat, als dass es seine Bestleistung in seiner Karriere ist. Die Ursache der missglückten Ansprache liegt in Herrn Meiers Körpersprache und Tonfall. Beides passt mit der Botschaft, die seine Worte beinhalten, nicht überein. Das Publikum merkt dies sofort und bekommt den Anschein, dass Herr Meier überhaupt nicht hinter seiner Software steht oder gar weiß, wovon er redet.

Wie sollte er auf diese Weise also das Publikum überzeugen?! Albert Mehrabian ist amerikanischer Psychologe und Professor im Ruhestand, der sich mit der menschlichen Kommunikation auseinandersetzte und die sogenannte 7-38-55-Regel aufstellte. Diese besagt, dass eine Botschaft zu 7% durch Worte und den sprachlichen Inhalt, 38% per Paralinguistik (Betonung, Sprachmelodie, Tonfall und Sprachtempo) und 55% durch die Körpersprache (Mimik, Gestik, Körperhaltung usw.) übermittelt wird. Natürlich ist die Substanz entscheidend und diese Zahlen nicht absolut. Denn würden tatsächlich 93% einer Botschaft, zum Beispiel bei einem Vortrag, nur von der Körpersprache und dem Stimmeinsatz abhängen, so wäre es beinahe egal, was wir sagen. Und genau das ist es eben nicht: Der Inhalt einer Botschaft sollte überzeugend und wirksam formuliert sein, so wie es Herr Meier in unserem Beispiel sehr gut umgesetzt hat. Dennoch sollte die Körpersprache und die Stimmlage auf den Inhalt der Worte abgestimmt sein, sodass die Botschaft ihre gewünschte Wirkung erzielt. Albert Mehrabians Ergebnisse sind vielleicht nicht zahlenmäßig absolut, sie sind relativ. Dennoch sind seine Erkenntnisse wegweisend und zeigen wichtige Tendenzen und Orientierungen in puncto Kommunikation auf.

Aber jetzt möchten wir Herrn Meier natürlich auch ein paar Tipps geben, wie er sein Publikum von seiner Software überzeugen kann: Sein Enthusiasmus sollte sowohl über seine Stimme als auch über seine Körperhaltung vermittelt werden. Stimmlich kann er einen Spannungsaufbau durch den Wechsel von einem ruhigen und einem lebhaften Tonfall und einem langsamen und einem schnellen Sprechtempo erzeugen. Auch bewusst gewählte Sprechpausen haben einen Spannungsaufbauenden Effekt, zum Beispiel in dem Satz „Hier ist es endlich, …“ Sprechpause „… das von Ihnen lang ersehnte Softwareprogramm…“. Eine moderate bis erhöhte Stimmlautstärke wirken bei ihm selbstbewusst und überzeugend, leise Töne werden nur bewusst und akzentuiert eingesetzt. Zudem ist eine dynamische Körperhaltung zu empfehlen. Das bedeutet, dass er nicht wie angewurzelt auf einer Stelle stehen bleibt, sondern sich in einem kleinen Umkreis bewegt, die Hände zur Untermalung seiner Worte einsetzt. Zum Beispiel kann er bei dem Wort „Stolz“ eine leichte Faust bilden und den Arm in die Höhe heben und auch seine Stimme ein bisschen lauter werden lassen. Wenn er verdeutlichen möchte, wie wunderbar die Software den Arbeitsalltag erleichtert, so kann er die Worte „erleichtern“ und „angenehm“ langsam und ruhiger aussprechen und zur Untermalung eine langsame Handbewegung vor dem Körper ausführen. Dies sind nur einige Tipps, die Herrn Meier zu einer überzeugenden und glaubwürdigen Ansprache verhelfen.

Achten Sie also bei einer Rede oder einen Vortrag darauf, dass alle drei Komponenten einer Botschaft, nämlich der Inhalt, die Körpersprache und die Stimme, zueinander passen und dasselbe aussagen. So überzeugen Sie Ihr Publikum auf jeden Fall!

Wenn Sie mehr Inspiration rund ums Thema Kommunikation erhalten möchten, dann zögern Sie nicht uns für eine Beratung zu kontaktieren. Kostenfreie Orientierungsberatung zur betrieblichen Situation – vereinbaren Sie jetzt einen unverbindlichen Gesprächstermin. Telefon +49(0) 30 49207072; email: info(a)gtd-pe.de

Link zu Albert Mehrabian: http://www.kaaj.com/psych/